pferdeklinik
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Entwurmung von Pferden

Anzeichen eines Endoparasitenbefalles sind äußerlich meist nur geringfügig oder gar nicht zu erkennen. Ein gefährlicher Befall kann durchaus bestehen, obwohl das Pferd äußerlich gesund erscheint! Ein stumpfes Haarkleid, Abmagerung, ein Blähbauch, Wachstumshemmung, Juckreiz an der Schweifrübe, Kolik, Durchfall und bei Lungenwürmern Husten und/oder Nasenausfluss können offensichtliche Anzeichen einer Verwurmung sein.

 

Nachweis von Endoparasiten

Nur wenige Endoparasiten sind mit dem bloßen Auge sichtbar (Strongyliden, Oxyuris equi, Parascaris equorum, Gasterophilus-Larven). Mikroskopisch lassen sich jedoch die meisten Parasiten anhand ihrer ausgeschiedenen Eier nachweisen. Für eine Kotuntersuchung ist es von hoher Wichtigkeit, dass die Probe frisch ist (maximal 24 Stunden, bei Zwergfadenwürmern maximal 12 Stunden). Die Diagnose einer Bandwurminfektion kann Probleme bereiten, da die Eiausscheidung nicht konstant ist und somit trotz einer bestehenden Infektion keine Eier im Kot nachgewiesen werden können. Eine Sammelkotprobe kann hier von Vorteil sein. Lungenwurmlarven lassen sich durch ein spezielles koprologisches Auswanderverfahren diagnostizieren. Eine Infektion mit Magendasseln kann nur makroskopisch durch ausgeschiedene Larven oder durch eine Gastroskopie (Magenspiegelung) bestätigt werden.

 

Wirkstoffe und Präparate

Zur Bekämpfung von Endoparasiten gibt es eine Anzahl verschiedener Präparate. Bei älteren Wirkstoffen gibt es zudem noch das Problem der Resistenzbildung. Beim Einsatz anthelminthischer Präparate ist es notwendig, die Wirkstoffe zu wechseln, um eine Resistenzbildung zu vermeiden. Außerdem sollte die richtige Dosierung, die über das Körpergewicht des Pferdes ermittelt wird, eingehalten werden, da eine Unterdosierung nicht nur zu einer Wirkungsminderung, sondern ebenfalls zu einer Resistenzbildung führen kann.

 

Benzimidazole

Die Benzimidazole besitzen aufgrund des häufigen Einsatzes in der Vergangenheit nur noch eine eingeschränkte Wirkung und sollten demnach als gut verträgliche Wurmkur nur noch bei Fohlen Einsatz finden. Wirkungsspektrum: Rundwürmer.


Pyrantel

Pyrantel sollte nicht beim Fohlen angewendet werden. Wirkungsspektrum: Rundwürmer (außer Zwergfadenwurm).


Makrozyklische Lactone wie Ivermectin

Wirkungsspektrum: Rundwürmer, Lungenwürmer (nur Ivermectin), Magendasseln.


Praziquantel

Wirkungsspektrum: Bandwürmer.


Kombinationspräparate

Wirkungsspektrum: Rundwürmer, Magendasseln und Bandwürmer.

 

Entwurmungszeitpunkt

Die Entwurmung des Pferdes sollte individuell und somit bedarfsgerecht nach Rücksprache mit dem Tierarzt erfolgen. Es empfiehlt sich die vorherige Untersuchung einer Kotprobe (besonders bei „Problempatienten“), um eine Diagnose bezüglich der tendenziellen Befallsdichte und der vorhandenen Endoparasiten zu stellen. Der Erfolg einer Entwurmung kann ebenfalls durch eine Kotuntersuchung etwa eine Woche nach Behandlung abgeklärt werden. Außerdem ist zu bedenken, dass die Box des Pferdes etwa 3 Tage nach der Entwurmung vollständig ausgemistet werden sollte und Paddocks bzw. Weiden möglichst häufig abgeäppelt werden sollten.

 

Grundsätzlich hat sich folgendes Entwurmungsschema als effektiv erwiesen:

 

Erwachsene Pferde mit Weidehaltung:

Erwachsene Pferde sollten mindestens viermal jährlich entwurmt werden! 

 

Im Frühjahr kurz vor dem Austrieb gegen Rundwürmer (z.B. mit Pyrantel),

im Sommer während der Weideperiode gegen Rundwürmer (z.B. mit Moxidectin oder Pyrantel),

im Herbst zur Aufstallung gegen Magendasseln, Rundwürmer, Lungenwürmer (z.B. Ivermectin),

im Winter (November bis Mitte Dezember) gegen Magendasseln, Bandwürmer, Rundwürmer (z.B. mit Moxidectin + Praziquantel). 

 

 

Stallhaltung: Bei ausschließlicher Stallhaltung erwachsener Pferde empfiehlt sich eine dreimalige Behandlung pro Jahr (Frühjahr, Sommer, Spätherbst).

 

Neuzugänge: Neu in den Betrieb gebrachte Pferde sollten beim Einstallen entwurmt und nach der Behandlung wenigstens 2 Tage von den anderen Pferden isoliert werden.


Zuchtstuten: Während der Trächtigkeit können Stuten mit Moxidectin entwurmt werden. Bei Zuchtstuten sollten gleich nach dem Abfohlen die im Gesäuge befindlichen Zwergfadenwurm-Larven mit Moxidectin bekämpft werden. So kann die Gefahr einer Zwergfadenwurm-Erkrankung bei Fohlen reduziert werden. Danach sollten Zuchtstuten bis zum Absetzen des Fohlens in Abständen von etwa 8 Wochen behandelt werden.

 

Fohlen und Jährlinge: Die erste Entwurmung bei Fohlen sollte im Alter von ca. 2 Wochen mit Fenbendazol erfolgen (1 Injektor pro Fohlen!). Außerdem empfiehlt sich die Behandlung ab der 8. Woche mit Pyrantel zur Bekämpfung des Spulwurms. Danach sind weitere Behandlungsmaßnahmen im Abstand von 6 Wochen während dieser wichtigen Entwicklungsphase ratsam. Ab dem 4. - 8. Lebensmonat kann dann Moxidectin gegen die kleinen Strongyliden eingesetzt werden.


 

Die wichtigsten Endoparasiten des Pferdes

Die wichtigsten Endoparasiten des Pferdes lassen sich in drei verschiedene Kategorien einteilen: Rundwürmer, Bandwürmer und Magendasseln

 

A) Rundwürmer (Nematoden):


Blutwurm bzw. großer Palisadenwurm (Strongylus vulgaris)

Der Blutwurm ist einer der gefährlichsten Parasiten des Pferdes. Die größte Schadwirkung wird durch die Körperwanderung der Wurmlarven verursacht. Diese werden über das Futter aufgenommen. Beim Durchbohren der Schleimhaut des Blind- und Dickdarms rufen sie Schleimhautblutungen hervor. Die Larven wandern in kleine Arterien ein und gelangen schließlich zur vorderen Gekrösearterie. Die durchwanderten Gefäße reagieren auf die Larven mit Entzündungen der Gefäßauskleidung. Dies kann zur Bildung von Blutgerinnseln (Thromben), vorwiegend im Bereich der vorderen Gekrösearterie führen. Kommt es durch den Thrombus zur Gefäßverlegung, können Koliken die Folge sein. Jedoch sind auch andere Stellen, wo die großen Arterien aus der Hauptschlagader abzweigen, betroffen (Blutversorgung der Hintergliedmaßen). Dadurch können Lahmheiten hervorgerufen werden. Die im Gefäß wandernden Larven können zudem unterschiedlich stark ausgeprägte Ausweitungen der Blutgefäße (Aneurysmen) verursachen, die platzen können. Mit Blutwürmern befallene Pferde haben meist Fieber, zeigen verringerten Appetit und ein struppiges Haarkleid.

 

Kleine Strongyliden (Cyathostominae)
Kleine Strongyliden sind sowohl die am häufigsten vorkommenden als auch die bedeutendsten Parasiten des Pferdes überhaupt. Die Wurmlarven dringen nach Aufnahme mit dem Gras in die Dickdarmwand ein und reifen innerhalb von Knötchen in der Schleimhaut heran. Nach Abschluss dieser Entwicklung kehren die Larven in das Darminnere zurück, um sich zu erwachsenen Würmern zu entwickeln. Diese heften sich an der Schleimhaut fest und ernähren sich von den Zellen der Darmwand. Die Hauptschadwirkung wird durch die in der Darmschleimhaut befindlichen Larven verursacht. Im Winter wird dieser Entwicklungszyklus in der Schleimhaut unterbrochen: die aufgenommenen Larven verbleiben ohne weitere Entwicklung eingekapselt in der Schleimhaut (Hypobiose). Auf einen besonderen äußeren Reiz hin können sich die zu mehreren Hunderttausenden in der Schleimhaut eingekapselten Larven gleichzeitig weiterentwickeln und aus der Schleimhaut austreten. Dieses als „Massenauswanderung“ bekannte Phänomen führt zu extremer Schädigung der Darmschleimhaut. Betroffen sind v.a. junge Tiere, die struppiges Haarkleid, unstillbare Durchfälle, Abmagerung und Wasseransammlungen in Beinen und Unterbauch zeigen können. Todesfälle sind beschrieben worden. Die erwachsenen Würmer einiger Arten der kleinen Strongyliden ernähren sich direkt durch Blutsaugen. Je nach Befallsgrad sind Durchfall, Koliken, mangelnder Appetit, struppiges Haarkleid, Abmagerung und Leistungsminderung zu beobachten.

 

Spulwurm (Parascaris equorum)
Die larvenhaltigen Eier des Spulwurms werden mit dem Futter aufgenommen. Die im Dünndarm aus den Eiern schlüpfenden Larven wandern auf dem Blut- und Lymphweg über die Leber in die Lunge. Blutungen entlang der Bohrgänge sind die Folge. Über die Bronchien gelangen die Larven in den Rachenraum, werden abgeschluckt und siedeln sich im Dünndarm an, wo sie zu erwachsenen Würmern heranreifen. Die gesamte Entwicklung im Pferd dauert mindestens 10 Wochen. Bei massiver Infektion können vor allem bei Fohlen und Jährlingen Husten, Fieber, mangelnder Appetit und Wachstumsverzögerung auftreten. Die geschädigte Lunge wird anfällig gegenüber Infektionen durch Bakterien und Viren. Gelegentlich „verirren“ sich Spulwurmlarven über den Blutkreislauf in andere Organe, wo sie aber meist unter Bildung von Knötchen absterben. Gelangen die Larven ins Gehirn, kann es zu zentralnervösen Störungen kommen. Die erwachsenen Spulwürmer, die sich im Dünndarm von oberflächlichen Schleimhautschichten ernähren, können chronische Darmentzündungen, die sich in Durchfall, wechselnder Fresslust, Abmagerung und struppigem Haarkleid äußern, verursachen. Bei sehr starkem Befall kann es durch erwachsene Spulwürmer auch zur Darmverlegung mit heftigen Kolikerscheinungen kommen. Im ungünstigsten Fall führt dies zur Ruptur der Dünndarmwand. Geringgradiger Spulwurmbefall äußert sich in Leistungsminderungen, die insbesondere bei Fohlen in der Aufzucht von Bedeutung sein können.

 

Zwergfadenwurm (Strongyloides westeri)
Zwergfadenwürmer nehmen in mehrfacher Hinsicht eine Sonderstellung unter den Würmern ein. Anders als alle anderen Pferdewürmer kann diese Wurmart entweder als Parasit im Pferdedarm schmarotzen oder sich nicht-parasitisch in Erde oder Einstreu vermehren. Ein Befall mit Zwergfadenwürmern tritt besonders bei Saugfohlen auf. Die Parasiten verursachen eine katarrhalische Schleimhautentzündung, die sich klinisch als Durchfall, vornehmlich in der 2. Lebenswoche, äußern kann. Die über die Haut eindringenden Larven können Keime „mitschleppen“ und sekundär lokale Entzündungen auslösen.
Dieser Parasit hat zoonotisches Potential und stellt somit eine Gesundheitsgefährdung für den Menschen dar! Infektiöse Larven können als sogenannte „Larva migrans cutanea“ eine Hautentzündung verursachen!

 

Pfriemenschwanz (Oxyuris equi)
Pfriemenschwänze parasitieren im Dickdarm. Die Weibchen wandern, vor allem nachts, aus dem Darm der Pferde in die Analgegend aus, um ihre Eier in einer zähklebrigen Flüssigkeit in Form sogenannter „Eischnüre“ am After abzusetzen. Der mit der Eiablage verbundene Juckreiz veranlasst die Pferde, sich an allen erreichbaren Gegenständen zu scheuern. Haarlose Stellen im Bereich der Schweifrübe, auch „Rattenschwanz“ genannt, und Ekzeme in dieser Region sind die Folge. Diese Hautläsionen sind besonders anfällig für bakterielle Sekundärinfektionen. Der Befall mit Pfriemenschwänzen kann zu Unruhe und Appetitlosigkeit führen, die sich vor allem bei Hochleistungstieren negativ auswirken.

 

Lungenwurm (Dictyocaulus arnifieldi)
Bei Pferden tritt Lungenwurmbefall meist nur dann auf, wenn sie gemeinsam mit Eseln, die als Erregerreservoir gelten, gehalten werden. Beim Pferd verläuft jedoch die Lungenwurm- erkrankung oft schwerwiegender als beim Esel. Das Pferd reagiert auf den Befall mit vermehrter Schleimproduktion und verdickten Bronchialschleimhäuten. Als sichtbare Symptome zeigen sich anhaltender trockener Husten, Atemnot, verminderte Fresslust sowie oftmals beidseitiger Nasenausfluss. Da die durch Lungenwürmer geschädigte Lunge für bakterielle und virale Infektionen besonders anfällig ist, können auch Lungenentzündungen entstehen. Der Lungenwurm hat im Pferd eine Lebenserwartung von etwa einem Jahr, im Esel beträgt sie mehrere Jahre. Mit Lungenwürmern befallene Esel stellen als ständige Ausscheider eine permanente Ansteckungsquelle für Pferde dar.

 

 

B) Bandwürmer (Cestoden)


Anoplocephala perfoliata
Bandwürmer kommen bei Pferden nach herkömmlicher Meinung selten vor. Die Dunkelziffer ist aber vermutlich sehr hoch und dürfte in manchen Gebieten eine Durchseuchung von 60% der Bestände erreichen. Die Entwicklung ist an Zwischenwirte (Moosmilben) gebunden. Die Ansteckungsgefahr ist vor allem im Spätsommer/Frühherbst besonders hoch, da die Anzahl der Moosmilben gegen Herbst zunimmt. Da meistens nur ein schwacher Bandwurmbefall vorliegt, sind klinische Erscheinungen wie Kolik oder Durchfall selten. Es kommt aber zu Entzündungen der Schleimhaut an der Anheftungsstelle im Blinddarm bzw. der Ileo-Caecalklappe (Übergang vom Hüft- in den Blinddarm). Die Bandwürmer nehmen über ihre Körperoberfläche Nahrungsbestandteile aus dem Darm des Pferdes auf und sind somit regelrechte Mitesser. Im schlimmsten Falle kann es an der Anheftungsstelle der Bandwürmer an der Darmschleimhaut zu Geschwürbildungen bis zum Durchbruch in die Bauchhöhle kommen, was den Tod des Pferdes zur Folge hat.

 

 

C) Magendasseln (Gasterophilus intestinalis)


Die Hauptschadwirkung geht von den im Magen parasitierenden Dassellarven aus. Aus den vor allem an den Vorderbeinen, Schultern und Flanken von der Dasselfliege abgesetzten Eiern schlüpfen die Larven (Larve I). Durch Belecken dieser Stellen gelangen die Larven I in die Maulhöhle. Sie bohren sich in die Zunge, das Zahnfleisch und den Gaumen ein und verweilen hier für 3 bis 4 Wochen. Es kann zu Schwellung des weichen Gaumens und Entzündung der Zunge, gefolgt von Kau- und Schluckbeschwerden kommen. In ihrer weiteren Entwicklung gelangt die Larve II an ihren eigentlichen Ansiedlungsort, den Magen. Mit Hilfe ihrer Mundhaken bohren sie sich als Larve II und später als Larve III tief in die Magenschleimhaut ein, was chronische Magenschleimhautentzündungen mit Geschwürbildung zur Folge hat. Gelegentlich kommt es sogar zum Magendurchbruch mit nachfolgender Bauchfellentzündung. Als klinische Erscheinungen können Koliken, wechselnder Appetit, Durchfall, Abmagerung und Blutarmut auftreten. Besonders bei Fohlen sind Entwicklungsstörungen, Leistungsminderung, verringerte Widerstandskraft und (selten) auch Todesfälle zu beobachten.

 

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